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[ Rückwärts ] [ Inhalt ] [ Vorwärts ] DER WIENER AKTIONISMUSDer Wiener Aktionismus dauerte von etwa 1960 bis zu den frühen 70er Jahren. Er deckt sich zeitlich und gelegentlich in den Absichten mit der Wiener Gruppe, geht aber über deren Ende hinaus (45). Der Wiener Aktionismus und die Wiener Gruppe waren getrennte Phasen und müssen getrennt betrachtet werden.Wegen der mannigfachen Aspekte des Wiener Aktionismus muß ich mich im folgenden auf eine kursorische Darstellung beschränken. Dabei werde ich vor allem auf Oswald Wieners Beteiligung eingehen. Die Verbindung zwischen der Wiener Gruppe und dem Wiener Aktionismus wurde hauptsächlich durch ihn und Gerhard Rühm hergestellt. Wiener zählt nicht zu den eigentlichen Aktionisten, von denen Otto Mühl, Hermann Nitsch und Günter Brus die bekanntesten sind, hat aber (manchmal mit Rühm) an verschiedenen Veranstaltungen des Aktionismus teilgenommen, vor allem an der Aktion im Hörsaal der Universität Wien(46). Er war mit ihnen, besonders Brus, befreundet und schätzte Mühl und Nitsch. Er hat auch für sie geschrieben, ein "vorwort" zu Nitschs Orgien Mysterien Theater und Texte über und für Brus, etwa die "Erläuterung zum Amnestiegesuch für Günter Brus" zu dessen Verteidigung und Hilfe(47). Im Element der Provokation sah er eine gewisse Gemeinsamkeit mit den Aktionisten, ebenso wie einen Ansatzpunkt zu gesellschaftlicher Veränderung: Eigentlich ist es dieser provokatorische Charakter, der mich zum Bundesgenossen dieser Leute gemacht hat. Ich bin der Meinung, daß man in Wien, in einem Staat wie Österreich, schon dadurch interessante Arbeit leistet, daß man Widerstände anstachelt, daß man sie herausreizt, in der Hoffnung, daß sich diese Widerstände artikulieren, so daß man sie argumentativ in den Griff kriegen könnte.(48) Eine fiktive Aktion mit Otto Mühl ist in der Verbesserung beschrieben (LXII/LXIII). In ihr bilden einige Protagonisten eine Skulptur aus Menschenleibern; dabei gehen sie vor wie Aktionisten mit Tieren bei manchen Aktionen, d.h. sie werden teils getötet, teils ausgeschlachtet, etc. Der Wiener Aktionismus war keine geschlossene, programmatische Bewegung. Bekannt, ja geradezu berüchtigt wurde er vor allem durch Mühls "Materialaktionen" und Nitschs Orgien-Mysterien Theater ("O.M. Theater"; so auch der Titel seines Buches darüber, siehe oben), einem Gesamtkunstwerk-artigen Abreaktionsspiel (oder "Happening"). Gotthard Böhm beschreibt die Anfänge und Intentionen des Aktionismus (und stellt dabei einen Zusammenhang zur Wiener Gruppe her): Der Wiener Aktionismus mit den Hauptvertretern Otto Mühl (*1925), Günther Brus (*1940), Rudolf Schwarzkogler (1941-1969) und Hermann Nitsch (*1939) stellt sich als eine komplexe Bewegung dar, in der disparate Formen künstlerischer Praxis (Malerei, Literatur, Theater, Film) zusammenlaufen und im Stil des Happenings--definiert als spontan sich ereignende Aktion--integriert und als vereinzelte Kunstgattungen aufgehoben werden. Mit einem radikalen Anspruch auf Erneuerung, in deren Formen sich als Inhalt die Sensibilität und Welterfahrung des Künstlers in der Gesellschaft spiegelt--vor allem auch die Reaktion der jungen Künstler auf die Verbrechen der Nazizeit--, bildet der Aktionismus den avantgardistischen Flügel der österreichischen Nachkriegskunst. Als Vorläufer können die Veranstaltungen der "literarischen cabarets" der Wiener Gruppe angesehen werden. Stärker als die literarischen Vorbilder wirkte auf die Aktionisten die Entwicklung der Malerei, deren Gesetze und Zwänge als Tafelbildmalerei man zu durchbrechen suchte.(49) Ein Ziel der Aktionen war, zur Gattungsauflösung und Entgrenzung innerhalb der Gattungen beizutragen und multimedial gegen den bürgerlichen Kunstbegriff zu arbeiten. Weitere Anliegen waren die Aufhebung der Gefühlsverdrängung und persönliche Enthemmung, die Erweiterung und Intensivierung der sinnlichen Wirklichkeitserfahrung, und die vorgebliche "Befreiung" von psychisch-sozialen Zwängen durch die Teilhabe (wenn möglich aktiv) an den Aktionen. Manche Akteure dieser "Bewegung" gaben vor, daß ihre Aktionen zu einer Überwindung der Grenzen im Menschen und zur Selbstfindung beitrügen, zu einer Art individueller und kollektiver Katharsis (aber anders als durch Psychoanalyse oder Psychotherapie). Es gibt große Unterschiede zwischen den verschiedenen Aktionisten, aber dennoch lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten bei vielen der Aktionen feststellen: im Zentrum des Geschehens standen der menschliche Körper (die Akteure waren meist nackt), Materialien aller Art (oft Tiere bzw. deren Teile, aber auch der menschliche Körper), und Aggressivität bzw. Destruktion (manchmal Selbstverstümmelung). Sie zeichnen sich durch Grausamkeit und Faszination mit dem Schmerz aus. Die meisten Aktionen wollten schockieren. Ein Beispiel sind die zahllosen Lammausweidungen Nitschs, der seine Aktionen als neu-kultisches Ritual verstanden wissen wollte. Hilde Spiel kommentiert: Daneben gab es andere, denen die Rolle des Außenseiters unveränderlich auf den Leib geschrieben war. Zu ihnen gehörten Oswald Wiener und die Aktionisten Otto Mühl (*1925), Hermann Nitsch (*1939) und Günther Brus (*1940), die in Österreich das Happening eingeführt und auf eine ebenso mystagogische wie brutale Art betrieben hatten. Die ganze unterschwellige Roheit des Wiener Volkscharakters, jener dämonische Untergrund seiner Gemütlichkeit, (...), trat in ihren zeremoniellen Tierschlachtungen, ihren koitalen und fäkalen Darbietungen hervor. Von bundesdeutschen Kritikern als archaisch-orgiastische und kathartische Kulthandlungen bitter ernst genommen, im Wiener "Neuen Forum" von einem einstigen Verbündeten Nitschs, Josef Dvorak, genau analysiert, aber als sozialisierungsschädlich verworfen, waren und blieben die Aktionisten in ihrem Heimatlande verpönt.(50) Gotthard Böhm urteilt, daß sich in Mühls Aktionen eine gewalttätige "Aggressivität gegenüber "bürgerlichen" Lebensformen und Existenzbedingungen" zeige; das trifft im Großen und Ganzen auch auf die anderen Aktionisten zu(51). Auf der Rezeptionsebene sollte die Überwindung der Aufteilung in Vorführende und Publikum erreicht werden. Das Publikum war angehalten, möglichst am Geschehen teilzunehmen. Eine prominente Rolle spielte dabei der Voyerismus (und Masochismus) des Publikums, der bewußt für die exhibitionistische Provokation ausgenutzt wurde. Noch stärker als die Veranstaltungen der Wiener Gruppe fanden die des Wiener Aktionismus vorwiegend vor bzw. mit einem kleinen Kreis Eingeweihter statt. Trotzdem war die Presse meist gegenwärtig, weil die Aktionen stets skandalträchtig waren (teils wurden die Skandale von der Presse erst zu solchen gemacht, immer aber aufgebauscht). So wurde auch die Presse zum Mitakteur. Der Aktionsprozess und seine Dokumentation auf Film und Foto waren ein wichtiger Aspekt, weshalb der Aktionismus relativ gut dokumentiert ist(52). Der Band Wien: Bildkompendium Wiener Aktionismus und Film, herausgegeben von Peter Weibel und Valie Export, bietet eine umfassende Darstellung der verschiedenen Aktionen und der daran beteiligten Personen(53). Die Aktionen sind am besten mit Bildern zu illustrieren und entziehen sich der Beschreibung, denn eine solche Vermittlung sollte ja gerade überwunden werden(54). Am wichtigsten sind hier Brus, Mühl, und "Zock". Die "Zock-Exercises" fanden am 17. April 1967 in der Wiener Galerie St. Stefan statt, und das "Zock-Festival" am 21. April 1967 im Lokal Grünes Tor. "Kunst und Revolution" war eine von den Aktionisten und dem von ihnen manipulierten Sozialistischen Österreichischen Studentenbund SÖS geplante "Zock"-Veranstaltung, die am 7. Juni 1968 in Wien im Hörsaal 1 des Neuen Universitätsgebäudes stattfand. In Flugblatt zu dieser Aktion beschreibt Wiener, was das Problem und was zu seiner Lösung gefordert ist: nicht wir sind entfremdet, sondern die welt. die institutionen ersticken uns. die kommunikation ist fremd. wir brauchen chaos. nur das zerbröseln von institutionen schafft luft, nur der affront, die verfremdung bezeichnet die entfremdung.(55) Dies weist auf Einflüsse für die zu dieser Zeit verfaßte Verbesserung hin, z.B. die Forderung nach Chaos, das Zweifeln an Kommunikation (im Roman in der Form von Sprachkritik), die Revolte und der affront als Mittel zum Erreichen von Momenten der Freiheit. Auch die Brechtsche Verfremdung wird zitiert, wurde allerdings anders verstanden. In seinem Vorwort zu Nitschs O.M. Theater schreibt Wiener über Ähnliches, es liest sich wie eine Zusammenfassung seiner Philosophie(56). Aus Peter Weibels Beschreibung der Aktion: zu programmiertem tumultuösem geschrei kam es bei peter weibels aktionsvortrag über finanzminister universitätsprofessor dr. koren. ein scheinwerfer, bedient von valie export, schaltete über einen lichtabhängigen widerstand den verstärker des mikrophon an und ab. bei "ein"-rufen schaltete valie den scheinwerfer ein, strom ging zum verstärker und weibels rede war zu hören, bei "aus"-rufen schaltete valie die scheinwerfer aus, die rede war nicht mehr zu hören. ein paradoxon der kommunikation als demonstration der antinomien des parlamentarismus und der pluralistischen demokratie. selbstverständlich wurde ununterbrochen entweder "ein" oder "aus" geschrien, so daß die rede nur verstümmelt, wenn überhaupt, zu hören war. in den letzten minuten hatte sich brus bereits ausgezogen und stand schon nackt auf dem pult, als weibel dieses verließ. während oswald wiener über ein drahtloses mikrophon seinen vortrag hielt, schiß brus auf den boden des hörsaals, verschmierte sich den scheißdreck am leib, stach mit seinen fingern des ösophagus hinab, würgte, erbrach, sang zum scheißen die bundeshymne, onanierte - ein unerhörtes klima, augenblicke der panik und vernichtung, wo das bewußtsein zu kollapsieren drohte, weil das gehirn die verarbeitung der ihm zugetragenen informationen verweigerte, minutenlang, bis zu dem moment, wo muehl unprogrammgemäß mit seinen mitarbeitern aufs podium kam und ebenfalls seine aktionen begann, durch den lärm des ausgepeitschten laurids wurden wieners sätze unhörbar, der jedoch, davon unbeirrt, in seinem vortrag fortfuhr. (...)(57) In den darauffolgenden Tagen wurden die Vorfälle durch die Presse zum "Skandal" erklärt, dessen Verlauf zur Verhaftung von Wiener, Brus und Mühl führte. Im Prozeß wurde Wiener freigesprochen, Brus zu sechs Monaten und Mühl zu vier Wochen Arrest verurteilt(58). Derartige Aktionen waren als Angriff auf die feindlich gesinnte Gesellschaft verstanden und sollten die neue, völlig befreite Kunst darstellen oder zumindest zu ihr führen(59). Ebenso waren sie als politischer Protest gedacht, der aber bestenfalls diffus blieb. Jutta Landa urteilt über diese Veranstaltung: Gerade an dieser Aktion (...) zeigte sich die Unzulänglichkeit des Wiener Aktionismus als gesellschaftsveränderndes Instrument. Die im Happening angestrebte "Provokation von Kreativität, durchgeführt mit Hilfe verschiedener Techniken der Erwartungsenttäuschung und Erkenntnisverunsicherung" (Dvorak, S.7) wurde kraß überzogen. Statt Erkenntnisverunsicherung erfolgte die Festigung der unerwünschten konservativen öffentlichen Meinung.(60) Wie und welche Kreativität und Erkenntnis auf solche Art provoziert werden sollen, bleibt unklar. Aus den theoretischen Äußerungen (Nitsch, Mühl, Weibel) geht nicht deutlich hervor, welche Wirkung mit den Aktionen bezweckt wird, und wie diese erzielt werden sollte. Manche dieser Theorien und Interpretationen sind idealistisch, unrealisierbar, schwierig nachzuvollziehen und wirken reichlich konfus und unausgegoren. Daneben erschweren Irrationalismus und beabsichtigte Interpretationsfeindlichkeit das Verständnis. Ein Beispiel ist diese schon oben zitierte Stelle:
bei "ein"-rufen schaltete valie den scheinwerfer ein, strom ging zum verstärker und weibels rede war zu hören, bei "aus"-rufen schaltete valie die scheinwerfer aus, die rede war nicht mehr zu hören. ein paradoxon der kommunikation als demonstration der antinomien des parlamentarismus und der pluralistischen demokratie. Mir ist der Zusammenhang zwischen beschriebener Szene und folgender Interpretation nicht klar. Es gibt gelegentliche Äußerungen Mühls, Nitschs, Rühms und Wieners gegen den Faschismus. Trotzdem fallen an den Aktionen gerade deren faschistoide Züge auf, obwohl die Aktionisten ihren antifaschistischen Charakter betonten(61). Hier wird der biographische Hintergrund der Aktionisten wichtig, die alle vor dem Anschluß Österreichs an Nazi-Deutschland geboren waren, während des Krieges aufwuchsen und offensichtlich entsprechend geprägt waren. Der aktionistische Versuch, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben--bewußt oder nicht, ob so gedacht oder nicht--ist fragwürdig(62), denn es zeigen sich in der Einstellung der Akteure dieselben destruktiven Züge und Einstellungen, die während des Krieges vielen Millionen Menschen ihr Leben kosteten. Man sah sich zwar als Opfer der konservativen österreichischen Politik, operierte aber beim Protest mit zweifelhaften Prämissen. Die gewählten Mittel, die Abgründe des Selbst an das Offene zu bringen, die Nazi-Zeit durch vor-die-Augen-führen von Gewalt, Blut, und Zerstörung in das Bewußtsein zu bringen und zu einer intensiven Wirklichkeitserfahrung zu reizen, sind sehr zweifelhaft, da sie--besonders so bald nach einem blutigen Vernichtungskrieg--nur in der Nachahmung des Kritisierten und seiner Konsequenzen stecken bleiben. Durch eine derartige Anregung zur Selbstbeobachtung und Selbstbewältigung wurde vermutlich eher das Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt, denn gerade die Angesprochenen sahen sich nicht betroffen bzw. sogar bestätigt: das Gebotene wurde für Unkunst, für Unkultur, und für entartet erklärt(63) und diente als nachträgliche Bestätigung für die Richtigkeit der Kulturpolitik der jüngsten Vergangenheit. Auch hier--diesmal auf Seiten gewisser Künstler--zeigt sich der typische Mangel an Vergangenheitsbewältigung des 2. Weltkrieges, die ja speziell in Österreich schwierig war. Bei allen Aktionen wurde weder vor Zynismus und Beleidigungen noch vor Geschmacklosigkeiten zurückgeschreckt. Diejenigen, die das nicht akzeptieren wollten, wurden als die "Anderen" identifiziert, die die Welt, gegen die man sich so aufzulehnen vermeinte, mitverschuldeten. Die Einstellung war: "die anderen sind immer schuld, egal was und wie". Wiener bezeichnete diese "Anderen" schon in dem action concert, aber auch später in seiner Verteidigungsschrift für Brus "Wichtel"(64). In den Haltungen und Ansichten der Künstler der Wiener Gruppe und vor allem des Wiener Aktionismus herrschen Verachtung und Bereitschaft zu Grausamkeit, Gewalt, und Manipulation(65). Ebenso klingt ein starker, absichtlich provokativer Elitismus an: es existiert nur eine kleine Gruppe intellektuell fortgeschrittener Verstehender, alle anderen sind die besagten dummen "Wichtel". Entsprechendes findet sich am Ende der Verbesserung (die zu diesem Zeitpunkt, 1968, schon beendet war; sie wurde während der turbulenten Jahre 1962 bis 1967 verfaßt). Dietmar Goltschnigg und Kurt Bartsch weisen im Zusammenhang mit dem von vielen österreichischen Schriftstellern auf die eine oder andere Weise gepflegten Individualanarchismus auf einen anderen interessanten Aspekt hin: Symptomatisch dafür sind die skandalisierenden Wiener Ereignisse im Jahre 1968. Als die sozialrevolutionäre Studentenbewegung in den USA und in Westeuropa ihren Höhepunkt erreicht hatte, da veranstalteten einzelne Aktionisten und Mitglieder der "Wiener Gruppe" (Otto Muehl, Hermann Nitsch, Günter Brus, Ossi Wiener) in der Wiener Universität eine aufsehenerregende "Fäkalferkelei", um die feine Wiener Gesellschaft bloßzustellen, welche die avantgardistische Kunst "net amol zu ignorieren" pflegte.(66) Sie konstatieren eine fragwürdige (a-)politische Haltung, die für den Großteil österreichischer Autoren eher repräsentativ war. Neben vielleicht ernstzunehmenden Ansätzen und Absichten kommt bei diesem Aktionismus natürlich der Verdacht völlig unseriöser Scharlatanerie auf. Mühl z.B. ist heute Vorstand einer zweifelhaften Kommune(67). Auffallend ist auch, daß sich, teilweise bereits sehr früh, einige Akteure und Sympathisanten des Aktionismus von ihm abwandten, etwa der Galerist Josef Dvorak, der seine Gründe--die Fragwürdigkeit der Gewalttätigkeit und die Sozialisierungsschädlichkeit der Aktionen--in einer Kritik zusammenfaßte (68). [ Rückwärts ] [ Inhalt ] [ Vorwärts ] [ Zum Seitenanfang ] Anmerkungen (45) Zum Wiener Aktionismus siehe Weibel/Exports Bildkompendium, Protokolle 70 (1970), und Kindlers-Ö, 630-4. Es gab personelle Zusammenhänge, z.B. geben Kaltenbeck, Wiener und Weibel Automata Studies heraus, Kaltenbeck schreibt eine Kritik zu Wieners Verbesserung, und Weibel gibt das Bildkompendium und zuletzt Wieners Probleme der künstlichen Intelligenz heraus. Valie Export, die viel mit Weibel zusammenarbeitete, dreht einen Film über Wiener, und Maria Lassnig malt Wieners Portrait und Bilder nach Wieners Vorschlägen und Anweisungen. [Zurück] (46) Hermann Nitsch erklärt, das Wort "Aktion" in Aktionismus käme von action painting (Schmölzer, Das böse Wien, 143). [Zurück] (47) Löwe 1 (1974): 15/6. Siehe die Bibliographie für Angaben zu Nitschs Buch. [Zurück] (48) Das Zitat ist aus dem Interview mit Friedrich Geyrhofer; zitiert nach Landa, Schocktheater, 49. [Zurück] (49) In Kindlers-Ö, 632. Vgl. auch die Aufsätze von Wunderlich, Dvorak, Mühl, Brus, und Nitschs Buch (Angaben siehe Bibliographie). [Zurück] (50) Kindlers-Ö, 109. Zu diesem Kommentar ist anzumerken: 1. Eine Österreicherin hat das geschrieben, daher der--inhaltlich unzutreffende--Seitenhieb auf Deutschland; die Aktionisten hatten auch solche "bitter ernste" Anhänger in Österreich; 2. Wiener war keine Zentralfigur des Aktionismus; 3. Man kann auch Außenseiter sein wollen. [Zurück] (51) Kindlers-Ö, 632. [Zurück] (52) Vor allem bei Rudolf Schwarzkogler, der einen Gehilfen zu diesem Zweck hatte. [Zurück] (53) Verursacht durch diese Veröffentlichung wurden 1971 beide aufgrund des Pornographieparagraphen zu zwei Monaten Kerker auf Bewährung verurteilt (siehe Schmölzer, Das böse Wien, 214/5). Bereits 1970 war eine Nummer der österreichischen Literaturzeitschrift Protokolle dem Wiener Aktionismus gewidmet. Diese und das Bildkompendium desselben Jahres geben einen ausgezeicheten, fast abschließenden Einblick. [Zurück] (54) Es ist schwierig, diese Vorfälle--besonders, wenn man sie selbst nur von Bild- oder Textdokumenten kennt--in der Beschreibung nachzuvollziehen. [Zurück] (55) Weibel/Export, n.p. [=312]. [Zurück] (56) "Vorwort" (Deutsch und Englisch) zu Hermann Nitsch, Orgien Mysterien Theater (Darmstadt: März, 1969) 21-3. [Zurück] (57) Weibel/Export, 262/3. [Zurück] (58) Vgl. Peter M. Lingens, "Der Uni-Prozeß", Weibel/Export, 223. [Zurück] (59) Vgl. z.B. Peter Weibels Aufsätze in seinem Kritik der Kunst--Kunst der Kritik (Wien/München: Jugend & Volk, 1973), vor allem "Von den Möglichkeiten einer Nicht-Affirmativen Kunst" (35-50), oder das etwas wirre und somit aufschlußreiche Interview mit Peter Weibel und Valie Export in Schmölzer, Das böse Wien, 177-92, besonders 189/90. [Zurück] (60) Landa, Schocktheater, 50. Jutta Landa weist jedoch auch auf einen positiven Aspekt selbst dieser Situation hin: "Darüberhinaus zwingt Provokation den Provozierten zum Bekenntnis des eigenen ideologischen Standpunkts, mitunter zur unverhüllten Exposition eines erschreckenden Aggressionspotentials", Schocktheater, 159. [Zurück] (61) Vgl. z.B. Eintrag "Orgien Mysterien Theater" in DuMont's kleines Sachwörterbuch zur Kunst des 20. Jahrhunderts, Hrsg. Karin Thomas (Köln: DuMont Schauberg, 1973). [Zurück] (62) Vgl. dazu Peter Weibel, "Von den Möglichkeiten einer Nicht-Affirmativen Kunst", Kritik der Kunst, Kunst der Kritik, 41/2. Er spricht dort davon, dem gesellschaftlichem Terror müsse mit künstlerischem Terror begegnet werden. [Zurück] (63) Dieses Wort wurde in Leserbriefen gebraucht. Vgl. Manfred Mixner, "Ausbruch aus der Provinz", Drews/Laemmle, 13-28, bes. 19/20, und Andreas Okopenko, "Der Fall Neue Wege", Aufforderung zum Mißtrauen, 299. [Zurück] (64) Weibel/Export, 251. [Zurück] (65) Wiener schreibt über Pläne für das "1. Literarische Cabaret", daß man dem Publikum Maschinengewehre geben wollte, um es zu "Handelnden" des Stückes zu machen (Wiener Gruppe, 404). Vgl. dazu die Beschreibung des Happenings in der Verbesserung. Die Manipulation des Publikums bzw. der Öffentlichkeit war wichtig; ebenso wurde Grobheit als wichtiger Bestandteil gesehen (Wiener in Wiener Gruppe, 415; dazu auch Ihrig, Literarische Avantgarde, und Geyrhofer, "Staatsfeind"). [Zurück] (66) Zmegac, 699/700. Das Zitat am Ende des Zitats ist übrigens von dem Schauspieler, Schrifsteller, Kabarettisten und Satiriker Helmut Qualtinger, der dem Aktionismus wenig gesonnen war (Schmölzer, Das böse Wien, 158). In einer Rezension von Elfriede Jelineks im Österreich der Nachkriegsjahrzehnte spielenden Roman Die Ausgesperrten beschreibt Heinz Sichrovsky mit eindeutigen, negativen Anspielungen dessen Protagonisten. Dieser sei ein "Künstlertyp, der in Österreich auffallend häufig zu finden ist: Des unpolitisch Einsamen, der große Taten zu vollbringen glaubt. Des aus dem Mittelstand kommenden maßlosen Alkoholikers. Des Aktionisten, der im Kampf gegen die Alltäglichkeit stolz sein Häufchen auf Universitätstische setzt" (Arbeiter Zeitung Wien, 17.11.1979: 8-9). Elfriede Jelinek ihrerseits sieht den Aktionismus durchaus positiv; vgl. "Interview mit Elfriede Jelinek", Die Tiefe der Tinte, 37/8. [Zurück] (67) Vgl. Spiegel 19 (1989): 200-4; Kindlers-Ö, 633. [Zurück] (68) Zur Kritik an Aktionismus und in dessen Umkreis stehenden Kunstformen siehe auch Peter Schneider, "Zerhackte Klaviere und andere Sachen", Atempause (Reinbek: Rowohlt, 1977) 87-100. [Zurück] [ Rückwärts ] [ Inhalt ] [ Vorwärts ] [ Zum Seitenanfang ] |