EINLEITUNGOSWALD WIENER GESTERN UND HEUTEIch schätze die Zahl der Wiener-Leser als ähnlich hoch wie diejenige derer, die heute noch den "Messias" von Klopstock lesen können: ein paar Professoren, ein paar besonders eifrige Studenten, einer, der eine Dissertation darüber schreibt, ein paar Sonderlinge.(1) Auch wenn es mittlerweile bereits einige Dissertationen über den österreichischen Autor Oswald Wiener gibt, und Teile von anderen seinem Werk gewidmet sind, hat Herbert Rosendorfer im Großen und Ganzen mit seiner Einschätzung doch recht behalten(2). Warum also zu einer solch kleinen Gruppe gehören und sich mit Oswald Wiener befassen? Oswald Wieners Werk besteht hauptsächlich aus den wenigen erhaltenen Beiträgen zum Band Die Wiener Gruppe und einigen Einzelveröffentlichungen. Die wichtigsten davon sind sein "Roman" Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman, sein literarisches Hauptwerk, und Wir wollen vom Arno-Schmidt-Jahr profitieren(3). In letzterem setzt er sich mit dem bekannten zeitgenössischen Autorenkollegen auseinander, dessen Werk in der Literatur ähnlich wie sein eigenes als Kuriosum behandelt wird. Literarische Werke hat Wiener seit der Verbesserung nicht veröffentlicht, er hat sich aber kritisch mit Literatur und Kunst auseinandergesetzt, so z.B. in dem genannten Werk über Arno Schmidt und in anderen Aufsätzen und Vorträgen (4). Gerade in den letzten Jahren war Wiener wieder sehr produktiv und hat kunstkritische Beiträge, z.B. über Maria Lassnig und Christian Attersee, und kleinere Aufsätze zu diversen Themen für verschiedenartigste Publikationen verfaßt(5). Seine neueren, philosophisch-wissenschaftlichen Aufsätze widmen sich vorwiegend der Künstlichen Intelligenz und der Erkenntnistheorie(6). Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman ist bisher Wieners einziges größeres literarisches Werk (7). Vor dessen Veröffentlichung gehörte er zur Wiener Gruppe. Während die anderen Mitglieder dieser Gruppe--Konrad Bayer, Hans Carl Artmann, Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm--zunehmend kritisches Interesse erweckt haben, ist Wiener vernachlässigt worden. Das erneute Interesse an den Autoren der Wiener Gruppe gilt vor allem Bayer. Über ihn sind in den letzten Jahren mehrere Studien erschienen, mittlerweile gibt es zwei Gesamtausgaben seines Werkes, und seit 1979 werden Konrad-Bayer-Symposien abgehalten (8). Artmann hat als prominentester Autor der Wiener Gruppe schon immer eine Sonderrolle gespielt (9). Es gibt zahlreiche Ausgaben seiner Werke und einige Literatur über ihn. Rühm ist als Künstler in den Bereichen Literatur, Musik und Kunst sehr produktiv, aber nicht in weiten Kreisen bekannt. Auch seine bildnerischen Werke wurden bereits mehrfach ausgestellt. Darüber hinaus betätigt er sich als Herausgeber oder Mitherausgeber verschiedener Werke seiner Freunde der Wiener Gruppe, z.B. des Bandes Die Wiener Gruppe, der gesammelten Werke Achleitners, und der Reihe "Linzer Texte" des Verlages Text & Kritik. Einige Sekundärliteratur über ihn liegt ebenfalls vor. Achleitner, das stillste Mitglied der Wiener Gruppe, hat nur wenig geschrieben, aber auch von seinem literarischen Werk gibt es mittlerweile mehrere Ausgaben. Er hat sich als Architekt einen Namen gemacht und veröffentlicht gelegentlich Bücher über Architektur(10). Es sieht so aus, als habe er sich weitgehend von der Literatur zurückgezogen. Das Werk aller dieser Dichter und Autoren aus der Zeit der Wiener Gruppe ist in mehr oder weniger repräsentativen Sammelbänden zugänglich (11). Im Gegensatz zu dem Werk seiner Freunde gibt es zu Wiener jedoch keinen Sammelband, und die Verbesserung wurde, nachdem sie lange vergriffen war, erst 1985 wieder in einer Neuauflage zugänglich (12). Auch wenn Wiener sich später von der Wiener Gruppe distanziert hat, so war er doch eindeutig eines ihrer Mitglieder (im Gegensatz etwa zu Artmann(13)). Er nahm an ihren Veranstaltungen Teil und beteiligte sich rege an Diskussionen. Trotzdem wird er aus unerfindlichen Gründen manchmal sogar in Auflistungen der Wiener Gruppe vergessen (ausgelassen?), so z.B. in der vom Staat Österreich herausgegebenen, in viele Sprachen übersetzten und international verteilten Werbebroschüre Österreich: Tatsachen und Zahlen (14). Ebenso bei Manfred Mixner: "(...) von Andreas Okopenko, der der Wiener Gruppe nahestand, und von Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner und H.C. Artmann, der Wiener Gruppe also", oder Roger Bauer: "(...) der Autoren der Gruppe--Achleitner, H.C. Artmann, Konrad Bayer, Rühm selbst, um nur die wichtigsten zu nennen--(...)"(15). Andererseits werden--wie in der erstgenannten Publikation--z.B. Ernst Jandl oder Friederike Mayröcker manchmal der Wiener Gruppe zugerechnet (oder wenigstens als zum Umfeld gehörig genannt--was durchaus zutrifft, allerdings auf Kosten Oswald Wieners geschieht). Dieser Zustand ist umso sonderbarer, da Wiener sogar--wenn auch mehr oder weniger unzutreffend--quasi als Sprecher und Theoretiker der Gruppe galt(16). Ein Grund für diese Vernachlässigung ist die Erratik von Wieners Werk. Besonders die Verbesserung ist relativ "unliterarisch" und bewegt sich an der Grenze zwischen Literatur und Nicht-Literatur (wobei in dieser Arbeit die Problematik einer solchen Einteilung offenbleiben muß). Zudem hat Wiener nicht sehr viel veröffentlicht, und das Veröffentlichte ist--da vor allem in kleineren, wenig verbreiteten, nicht sehr bekannten und deshalb auch wenig gelesenen Publikationen--nicht leicht zugänglich. Die erste Auflage seines Romans war bald vergriffen und es gab zwei weitere Auflagen (die Erstveröffentlichung umfaßte drei Auflagen mit insgesamt 8000 Exemplaren (alle 1969): 1. Auflage Januar 2000 Exemplare; 2. Auflage Juli 3000; 3. Auflage November 3000). Paul Kruntorad mag--abgesehen davon, daß es nur drei Auflagen gab--recht haben, wenn er schreibt: "Die vier Auflagen (insgesamt 8000 verkaufte Exemplare) deuten auf ein zumindest vom Verlag nicht erwartetes Interesse an dem Buch (...)". Es ist jedoch zu beachten, daß sich das vermutete "Interesse" vorerst nur auf Bestellungen durch den Buchhandel bezieht. Offensichtlich konnten nicht alle Exemplare weiterverkauft werden, da ich noch zwischen 1983 und 1986--also über 15 Jahre später--mehrere Exemplare der dritten Auflage in Buchhandlungen fand und erwarb(17). Und schließlich ist selbst ein gekauftes Buch noch lange kein gelesenes Buch. Auffallend ist, daß die erste Auflage nur auf 2000 Stück angelegt war, also tatsächlich wenig Resonanz erwartet wurde. Trotzdem erschien 1972 sogar eine Taschenbuchausgabe, wo Taschenbücher doch vor allem für weite, weil billige Verbreitung gedacht sind (18). Dennoch hat der Text einige kritische Beachtung gefunden und ist weithin--vorwiegend sogar positiv--besprochen worden. So gibt es zahlreiche Artikel, insbesondere zeitgenössische (um 1969) Rezensionen. Wider Erwarten fanden sich bei meiner Materialsuche erstaunlich viele andere kurze und lange Artikel, sowohl in bekannteren Veröffentlichungen als auch in Spezialpublikationen. Alle Dokumente zeugen von dem Aufsehen, das das Werk verursachte, aber zugleich auch davon, daß es sich nicht durchsetzte und keine nachhaltige Wirkung ausübte(19). Ein weiterer Grund für die Vernachlässigung Wieners ist, daß die Wiener Gruppe selbst längere Zeit vergleichsweise wenig beachtet wurde, möglicherweise weil die von Rühm herausgegebene Anthologie Die Wiener Gruppe. Achleitner Artmann Bayer Rühm Wiener. Texte Gemeinschaftsarbeiten Aktionen ebenfalls nur in kleiner Auflage gedruckt wurde und lange vergriffen war (20). Der Hauptgrund für die ausbleibende Rezeption liegt jedoch in der Ausgefallenheit von Wieners Werk. Als Autor verdient Wiener aber durchaus Beachtung, da die Verbesserung--wenn auch fast vergessen--so doch ein herausforderndes Werk ist. Durch die vorliegende Untersuchung will ich erneut Aufmerksamkeit auf die Verbesserung und seinen Autor lenken, der an einer bedeutenden Phase der Entwicklung moderner deutschsprachiger Literatur beteiligt war(21). Wiener nahm an vielem teil, was in den 50er und 60er-Jahren Aufsehen erregte und Einfluß hatte. Er ist aus dem Kontext der Wiener Gruppe und des Wiener Aktionismus nicht wegzudenken. In den letzten Jahren gab es erste Anzeichen für ein wachsendes Interesse an der avantgardistischen österreichischen Literatur der 50er und 60er Jahre, an der Wiener Gruppe und damit auch Wieners Werk. Indizien dafür sind die Wiederveröffentlichung der Verbesserung, die erweiterte Neuausgabe des Bandes Die Wiener Gruppe durch den Rowohlt-Verlag (beide 1985) oder die zweite Gesamtausgabe der Werke Konrad Bayers. Bisher wurde die Wiener Gruppe vorwiegend in kleinen Gruppen diskutiert, jetzt aber beginnt sich die Literaturwissenschaft ausgedehnter mit ihr zu befassen, und immer mehr Untersuchungen zu dieser Periode werden veröffentlicht(22). Angesichts der Tatsache, daß die Wiener Gruppe in der österreichischen Nachkriegsliteratur eine Ausnahmestellung einnahm, ist es überraschend, daß die Literaturwissenschaft sich nicht früher und eingehend mit ihr befaßt hat. Diese Dissertation ist ein Beitrag zur Erforschung der, meiner Meinung nach, noch immer relevanten Literatur Österreichs der 60er-Jahre, selbst wenn der Wirbel, den die Wiener Gruppe verursacht hat, jetzt schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Meine Arbeit wendet sich vor allem an die, die an Wiener und der Wiener Gruppe interessiert sind, aber auch an die, die sich mit moderner Literatur im allgemeinen oder vorwiegend mit österreichischer Literatur beschäftigen. Um die Verbesserung in einen historischen und literarischen Kontext zu stellen, werde ich zuerst einen Überblick über Oswald Wieners Biographie geben, und anschließend zusammenfassend die Wiener Gruppe und den Wiener Aktionismus darstellen. Im Hauptteil befasse ich mich hauptsächlich mit dem "Roman". Am Beginn steht ein Abriß der "experimentellen Literatur" der Nachkriegszeit, in deren Zusammenhang das Werk gehört, gefolgt von Diskussionen zentraler Aspekte wie Struktur, Sprache, Bewußtsein, Utopie, Politik und Wissenschaft. Den Abschluß bildet eine Darstellung des Verhältnisses zwischen Leser und Text. Der letzte Teil beinhaltet eine Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur. Diese Bibliographie ist die bisher umfassendste und ausführlichste zu Wiener und als Forschungsbeitrag an sich zu verstehen. Am Ende folgen natürlich Literaturangaben zu den für die Arbeit benutzten Werken. [ Inhalt ] [ Vorwärts ] [ Zum Seitenanfang ] Anmerkungen (1) Herbert Rosendorfer, Über das Küssen der Erde (Zürich: Diogenes, 1973), 109. Sein Vergleich mit Klopstocks Messias ist interessant. Der Messias ist ein wichtiges Werk, das in Literaturgeschichten nicht umgangen werden kann, das aber--auch in Germanistikseminaren--kaum gelesen wurde und wird. [Zurück] (2) Heinrich Schwazer, "Verbessern oder Abschaffen? Oswald Wieners Roman Die Verbesserung von Mitteleuropa," Diss., U Wien, 1988. Martin Kubaczek, "Untersuchungen zu Struktur, Ästhetik und Ideologiekritik in Oswald Wieners Die Verbesserung von Mitteleuropa," Diss., U Wien, 1989. Bernd Hagelstange, "Die Thematisierung der Sprache im zeitgenössischen Roman: Studien zur Interpretation und Methodenkritik bei H. Heissenbüttels D'Alemberts Ende und O. Wieners Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman," Diss., U Münster, 1974. Wilfried Ihrig, "Zum Problemkreis Sprache und Subjektivität in Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman von Oswald Wiener und Der sechste Sinn von Konrad Bayer," Zulassungsarbeit zur 1. Staatsprüfung, U Heidelberg, 1977. Literarische Avantgarde und Dandysmus. Eine Studie zur Prosa von Carl Einstein bis Oswald Wiener, Diss., U Heidelberg, 1986 (Frankfurt/Main: Athenäum, 1989). Leider ist es mir nicht möglich gewesen, die zwei erstgenannten Dissertationen einzusehen. [Zurück] (3) München: Matthes & Seitz, 1979. Das sind größtenteils schon zuvor in der Berliner Zeitung Tagesspiegel gedruckte Kritiken zum Werk Arno Schmidts (siehe Bibliographie). Vgl. dazu auch Jörg Drews Rezension "Mißmutig auf den Leim gegangen," Süddeutsche Zeitung 18.-19. August 1979: 82. [Zurück] (4) "Einige Gedanken über die Aussichten der empirischen Forschung im Kunstbereich und über Gemeinsamkeiten in der Arbeit von Künstlern und Wissenschaftlern", Empirie in Literatur und Kunstwissenschaft, Hrsg. Siegfried J. Schmidt (München: Fink, 1979) 182-9; Diskussion: 204-50. "Wozu überhaupt Kunst?", Literatur und Kunst--Wozu?, Hrsg. Siegfried J. Schmidt (Heidelberg: Winter, 1982) 189-209. [Zurück] (5) Maria Lassnig, "Untersuchungen zum Entstehen des Bewußtseinsbildes", Maria Lassnig--Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen 1949-1982, Hrsg. Hans Albert Peters & Wilfried Skreiner (Düsseldorf: Richter, 1982) 95-101. Christian Attersee, Die gemalte Reise (München: Hirmer, 1990). Für andere Veröffentlichungen siehe die Bibliographie. [Zurück] (6) "Form and Content in Thinking Turing Machines", The Universal Thinking Machine. A Half-Century Survey, Hrsg. Rolf Herken (Berlin: Kammerer & Unverzagt, 1988. Oxford: Oxford UP, 1988) 631-57. "Kambrium der Künstlichen Intelligenz", Die Wissenschaften vom Künstlichen, Hrsg. Herbert Alexander Simon (Berlin: Kammerer & Unverzagt, 1990) 175-228. Probleme der Künstlichen Intelligenz (Berlin: Merve, 1990). "Über das Ziel der Erkenntnistheorie, Maschinen zu bauen die lügen können, d.h. eigentlich nur über einige Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin", Manuskripte 86 (1982): 57-61, und Jean Baudrillard, Die fatalen Strategien (München: Matthes & Seitz, 1985) 235-50. [Zurück] (7) Buchausgabe: Reinbek: Rowohlt, 1969. Neuausgabe 1985. Der Text war zwischen 1965 und 1967 als work-in-progress in der Grazer Literaturzeitschrift manuskripte abgedruckt worden. Die Buchausgabe enthält kleinere, mit (A) gekennzeichnete Änderungen und Zusätze. Die Neuausgabe ist ein Nachdruck. Im folgenden mit Verbesserung abgekürzt. Römische Ziffern beziehen sich auf Seitenzahlen dieser Ausgabe. Wiener hat sich von der Literatur ganz abgewandt. Die Verbesserung wird wohl sein einziges großes literarisches Werk bleiben. [Zurück] (8) Siehe z.B. Ulrich Janetzki, Alphabet und Welt. Über Konrad-Bayer (Königsstein: Hain, 1982), und die Sammelbände der Symposien-Vorträge, z.B. Konrad Bayer Symposion Wien 1979, Hrsg. Gerhard Rühm (Linz: Neue Texte, 1981) oder auch Die Wiener Gruppe, Hrsg. Walter Buchebner Literaturprojekt (Wien: Böhlau, 1987). [Zurück] (9) Vgl. hierzu, zu seiner Zugehörigkeit und seiner Rolle bei der Änderung und beim Zerfall der Wiener Gruppe Janetzki, Alphabet und Welt, 24, Rühm in Konrad Bayer, Sämtliche Werke (Stuttgart: Klett-Cotta, 1985), 340, 346, und Konrad Bayer, "Hans Carl Artmann und die Wiener Dichter Gruppe" (u.a. in H.C. Artmann, ein lilienweißer brief aus lincolnshire (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1978) 11). [Zurück] (10) Im Salzburger Residenz-Verlag, dem derzeit auch international renommiertesten österreichischen literarischen Verlag. Goltschnigg/Bartsch (in Viktor Zemgac (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Frankfurt/Main: Athenäum, 1984: III/2), 701): "(...) ein auf dem internationalen literarischen Markt beachteter und erfolgreicher Vermittler der jungen österreichischen Literatur wurde aber nur der Salzburger Residenz-Verlag (...))". Beispiele für Achleitners Veröffentlichungen bzw. Beiträge als Architekt findet man in Wien: Spektrum einer Stadt, Hrsg. Hilde Spiel (Wien: Jugend & Volk, 1971) oder Wien 1945: davor, danach, Hrsg. Liesbeth Waechter-Böhm (Wien: Brandstätter, 1985). Ein neueres Beispiel für Literatur: Von A bis Zett (Salzburg: Residenz, 1991). [Zurück] (11) Die Bände der einzelnen Mitglieder sind: Friedrich Achleitner, prosa, konstellationen, montagen, dialektgedichte, studien (Reinbek: Rowohlt, 1970). H.C. Artmann, The Best of H.C. Artmann (Frankfurt: Suhrkamp, 1970). Gerhard Rühm, gesammelte gedichte und visuelle texte (Reinbek: Rowohlt, 1970). Konrad Bayer, Das Gesamtwerk (Reinbek: Rowohlt, 1977); Sämtliche Werke (Stuttgart: Klett-Cotta, 1985). Für weitere Titel der jeweiligen Autoren siehe Bibliographie. Es fällt auf, daß die meisten dieser Ausgaben zur selben Zeit (nochdazu, als sich die Phase der "experimentellen Literatur" bereits ihrem Ende zuneigte) veröffentlicht wurden. [Zurück] (12) Diese Tatsache ist kurios inosfern als die Sammelbände der anderen Autoren ebenfalls vergriffen sind, aber nicht neu aufgelegt wurden.--Es muß jedoch auch angefügt werden, daß ein Sammelband für Wiener etwas schwierig zu erstellen wäre, da nicht viele literarische Werke zur Verfügung stehen. [Zurück] (13) Vgl. Rühm in Konrad Bayer, 346: "(...) während er [der nicht zu übersehende alleingang, HK] für h.c. artmann, den ich eigentlich stets nur mit einem fuss in der gruppe sah, lediglich einen wechsel des standbeins bedeutete. erklärter individualist, hat er wohl--bis heute--mehr freundschaftlich toleriert als aktiv vertreten, zur 'wiener gruppe' gezählt zu werden. gleichwohl reizte sicher ihr spezifischer konspirativer geruch seine feine witterung zu streckenweiser gefolgschaft". [Zurück] (14) (Wien: Bundespressedienst, 1988) 138. [Zurück] (15) Manfred Mixner, "Ausbruch aus der Provinz", Wie die Grazer auszogen, die Literatur zu erobern, Hrsg. Jörg Drews & Peter Laemmle (München: Text & Kritik, 1975) 17, und Roger Bauer, "Kontinuität und Erneuerung: Die Poeten der Wiener Gruppe und die Herren Vettern aus Steiermark", Laßt sie koaxen, die kritischen Frösch' in Preußen und Sachsen (Wien: Europaverlag, 1977) 224. Bauer erwähnt nur Bayer mit Vornamen, und erweckt den Eindruck, es gäbe noch weit mehr Mitglieder als den von ihm übergangenen Wiener. [Zurück] (16) "Quasi" weil der Anschein den Tatsachen nicht entsprach; außerdem ließ die in der Wiener Gruppe herrschende Heterogenität die Dominanz einer Person kaum zu. Vgl. Janetzki, Alphabet und Welt, 24: "Der Einfluß Oswald Wieners wird nicht zuletzt deshalb überschätzt, weil in erster Linie er es war, der extempore und eloquent die theoretischen Interessen nach außen vertrat. So blieben auch Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Friedrich Achleitner von Wieners Forderung unbeeindruckt, generell auf Publikationen zu verzichten". [Zurück] (17) In der Autorenbuchhandlung München und in der Buchhandlung Niedlich in Stuttgart. [Zurück] (18) Taschenbuchausgabe: Reinbek: Rowohlt, 1972 (rororo TB 1495). Mir liegen keine Angaben hinsichtlich ihrer Auflage(n) vor, aber es ist kaum anzunehmen, daß sie sehr groß war. [Zurück] (19) Selbst die Neuausgabe wurde rezensiert, z.B. von Alfred Focke in "Wiedergelesen", Die Presse 12. Juli 1980. Vgl. auch Peter Handkes--nicht eingetroffene--Vermutung: "Der Rowohlt Verlag gar hat von dem Buch, das von allen Büchern der letzten Jahre vielleicht am meisten in Bewegung setzen wird, von Oswald Wieners 'Die Verbesserung von Mitteleuropa', nur 2500 Exemplare gedruckt! Ein jämmerliches Alibi!" (Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1972) 202, Anmerkung 2 zu "Zu G.F. Jonkes 'Geometrischer Heimatroman'", 199-202). Wie berichtet wurden in erster Auflage sogar nur 2000 Exemplare gedruckt. Handke las die Vorabdrucke der Verbesserung in manuskripte; vgl. dazu Wiesmayr, Die Zeitschrift 'manuskripte' 1960-1970 (Königsstein/Taunus: Hain, 1980). Mehr zu Handke und Wittgenstein, der Wiener Gruppe und der Grazer Gruppe in Manfred Durzak, Peter Handke und die deutsche Gegenwartsliteratur (Stuttgart: Kohlhammer, 1982), Teil 3: "Handke und die österreichische Literatur", 20-25 und Anmerkungen (175), Janetzki, Alphabet und Welt, 20, und Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart--Die zeitgenössische Literatur Österreichs, Hrsg. Hilde Spiel (München & Zürich: Kindlers, 1976) 256-61. Interessant ist, daß es eine Neuausgabe gab (und überhaupt eine Buchausgabe). [Zurück] (20) Reinbek: Rowohlt, 1967. Dieser Sammelband ist das bedeutendste Zeugnis des Schaffens der Gruppe und gibt einen repräsentativen Überblick. Zuerst 1967 erschienen, bei Rowohlt in der BRD veröffentlicht--wie viele andere Werke österreichischer Autoren, die daheim keine Verleger fanden (vgl. dazu Goltschnigg/Bartsch in Zmegac, 700/701). Siehe jetzt besonders die erweiterte Neuausgabe von 1985. Roger Bauer vermutet, daß die Wiener Gruppe ihren Erfolg dem westdeutschen Kulturbetrieb zu verdanken habe: "Gewiß, ohne die westdeutschen Verlage und ohne die westdeutsche Reklame wäre der Ruhm der sogenannten Wiener Gruppe auf den engen Kreis weniger interessierter Spielgefährten beschränkt geblieben." (Frösche, 223). Zum einen hielt sich der "Ruhm" so oder so in engen Grenzen, zum anderen kann man so gesehen den Ruhm sehr vieler Autoren den Verlagen und der Reklame zuschreiben. [Zurück] (21) Eine Diskussion um "österreichische" Literatur ist hier von sekundärer Bedeutung. Ich gehe davon aus, daß es eine autonome österreichische Literatur gibt, rechne die Verbesserung aber der deutschsprachigen Literatur insgesamt zu. Zur Frage der "österreichischen Literatur" vgl. (u.a.) Dagmar Lorenz, "Ein Definitionsproblem: österreichische Literatur", Modern Austrian Language 12/2 (1979) 1-21. [Zurück] (22) Z.B. Wilfried Ihrig, Ulrich Janetzki, aber auch viele andere (vgl. Bibliographie). [Zurück] [ Inhalt ] [ Vorwärts ] [ Zum Seitenanfang ] |